Als ich mit meiner Tochter schwanger war, schenkte mir eine Bekannte ein Tragetuch. Sie selbst hatte drei Kinder und meinte, dass ein Tragetuch eine tolle Hilfe im Alltag wäre; sie führte mir gleich eine Bindeweise vor. Meine Gedanken dabei waren: „So viel Stoff!“ und „Das lerne ich nie.“

Nachdem unsere Tochter auf der Welt war, waren mein Mann und ich allerdings sehr froh über das Tragetuch. Unsere Tochter brauchte viel Körperkontakt und konnte sehr laut werden, wenn sie diesen nicht bekam. Meine Hebamme zeigte uns die Wickelkreuztrage und half meinem Mann, unsere Tochter ins Tuch zu binden. Während ich im Wochenbett lag, hat vor allem mein Mann sie getragen, später haben wir uns dann abgewechselt. Den Kinderwagen haben wir in den ersten Monaten nicht verwendet – unsere Tochter empfand ihn als Zumutung – stattdessen war sie immer im Tuch dabei.

Nun würde ich gerne erzählen, dass unsere Tochter im Tuch stets friedlich war, das entspräche aber nicht der Wahrheit. Die Vormittage verliefen harmonisch, doch nachmittags kippte stets die Stimmung, und mit oder ohne Tuch war es dann bis nachts sehr laut. Das Tragetuch hatte aber den Vorteil, dass wenigstens ich mobil war und mich z.B. mit Spaziergehen, Kuchenbacken, etc. ablenken konnte.

Manche Leute prophezeiten uns, dass unsere Tochter so a) nie laufen lernen würde, b) nie selbständig würde, c) einen krummen Rücken bekäme. Recht behielten sie alle nicht. Unsere Tochter wurde schnell sehr mobil und unternehmungslustig; ihr Rücken ist genau wie er sein soll.

Leider wollte unsere Tochter ab dem 5. Monat nicht mehr getragen werden, so habe ich das damals jedenfalls empfunden. Mit meinem jetzigen Wissen wäre ich auf das Tragen im Ringsling oder auf den Rücken umgestiegen – ich denke, dass ihr das gefallen hätte. Wir holen das Tragen jetzt nach, indem sie mir dabei hilft, Tragehilfen oder Bindeweise zu testen.

Als unser Sohn auf die Welt kam, stand für mich fest: Tragen ist etwas Wunderschönes und Praktisches. Ich trage ihn auch. Nur fand er das anfangs gar nicht toll! In seinem Körbchen lag er in den ersten Wochen ruhig und zufrieden, sobald ich ihn ins Tuch band, meckerte er.

Dadurch hatte ich zum einen das Gefühl, unseren Sohn nicht richtig zu kennen. Er war zwar meist im selben Zimmer wie wir, aber eben auf Distanz in seinem Körbchen. Zum anderen ist gerade beim zweiten Kind das Tragen sehr hilfreich: Es ist wesentlich leichter einem Geschwisterkind hinterherzulaufen oder etwas mit ihm zu unternehmen, wenn man die Hände frei hat. Und auch bei unserem Sohn kam die Zeit, in der er nicht mehr im Körbchen schlummern, sondern dabei sein wollte.

Ich probierte also verschiedenste Tücher und Tragehilfen aus, aber nichts schien meinem Sohn zu taugen. Auch ich kam mit dem Tragen nicht zurecht: Unser Sohn war schwerer als seine Schwester; sobald ich ihn in der Wickelkreuztrage trug, tat mir der Rücken weh – zumal sich mein Sohn nicht ankuschelte und schlief, sondern sich von mir wegdrückte und versuchte, möglichst viel zu sehen.

Nach vielen Versuchen vereinbarte ich einen Termin mit einer Trageberaterin und ließ mir Tipps zur Wickelkreuztrage geben und das Tragen im Sling zeigen.

Die Wickelkreuztrage klappte nach der Beratung viel besser: Ich konnte sie danach so fest binden, dass sich meine Rückenprobleme besserten, und auch mein Sohn war zufriedener. Das Tragen im Sling fand ich selbst zu diesem Zeitpunkt nicht bequem – mein Rücken kam mit der einseitigen Belastung nicht klar.

Das Thema „Tragen“ und „Trageberatung“ hatte mich mittlerweile gepackt und ich beschloss einen Grundkurs der Trageschule ClauWi in Wien zu belegen: Meine Familie begleitete mich, auch mein damals fünf Monate alter Sohn. Im Kurs erlernte ich unter anderem die Rucksacktrageweise und probierte sie mit meinem Sohn aus. Das erste Mal band ich ihn mir auf einer Matratze sitzend auf den Rücken und war dabei ziemlich nervös. Beim ersten Bindeversuch saß mein Sohn reichlich schief im zu lockeren Tuch auf meinem Rücken, aber im Spiegel sah ich, dass er mich fröhlich anlachte. Das Rückentragen war genau sein Ding!

Wir haben diese Trageweise dann jeden Tag geübt, und sie klappte immer besser. Irgendwann trug ich meinen Sohn dann nicht nur für die Hausarbeit auf dem Rücken, sondern auch wenn wir gemeinsam unterwegs waren. Er liebt es, wenn er über meine Schulter schauen kann und alles mitbekommt. Mittlerweile kann ich ohne Blickkontakt zu ihm an seiner Körperspannung erspüren, wie es ihm geht.

Nun wird mein Sohn ein Jahr alt und die Dinge ändern sich wieder: Er wird nun manchmal in einer Tragehilfe auf dem Rücken getragen, für kurze Strecken haben wir das Tragen im RingSling wieder entdeckt, beim In-den-Schlaf-Wiegen leistet die Wickelkreuztrage gute Dienste.

Aus meinen persönlichen Erfahrungen durfte ich lernen, dass es nicht die eine perfekte Trageweise für alle und für immer gibt. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass es für jede Familie mit ihren Bedürfnissen und Vorlieben eine optimale Trageweise gibt, die für die momentane Lebenssituation paßt. Gerne helfe ich Ihnen dabei, diese zu finden.